Reiseblog

Varanasi

Wieviel Glaube verträgt die Natur?

November 232013
November 232013

Varanasi, die heilige Stadt der Hindus am Ganges. Varanasi und die damit verbundenen Eindrücke zu beschreiben ist schier unmöglich, man muss diese Stadt selbst erlebt haben. Eine Stadt, die mit Sicherheit die Geister scheidet, auf der einen Seite faszinierend und unglaublich, auf der anderen Seite bizarr, verwirrend und ungemein dreckig. Man kann diese Stadt lieben und sich dem Chaos und Unbeschreiblichem hingeben oder  man sucht so bald als möglich das Weite. Varanasi gehört zu den ältesten Städten der Welt, fiel allerdings im Laufe der Geschichte auch häufig Zerstörungen zum Opfer. Ihr Zentrum bildet zum Einen die Altstadt, ein Labyrinth aus engen Gassen, zum Anderen die sgn. Ghats, die stufenförmig abfallenden Zugänge zum Ganges. Wem das Durchkämmen enger Gassen und Suchen nach geheimen Plätzen am Herzen liegt, der findet in Varanasis Altstadt bestes Terrain. Allerdings sollte er sich damit vertraut machen, daß ihm auf seinem Weg verschiedene Hindernisse ein Weiterkommen erschweren können. Da wären zum Einen eine Vielzahl von Stadtdschungeltieren: Kühe, Ziegen, Hunde, Affen, Ratten (seltener und zu späterer Stunde) usw.. Ja, und wo Tiere sind, da sind bekanntlich auch deren Exkremente. Man muss schon ganz genau aufpassen, dass man nicht in so einen Haufen hineintritt. Aber was lockt bitteschön Tiere in diese Gegend? …doch mit Sicherheit kein sattes Gras. Aber nein, da gibt’s haufenweise Müll und Essensreste in jedem Eck, na dann „Mahlzeit“! Ein funktionierendes Müllsystem haben wir übrigens auf unserer bisherigen Reise durch Indien nirgendwo gesehen; ich mein, funktionierend nach westlichem Basisstandard: Abtransport. Wird der Haufen irgendwann zu groß, zündet man einfach alles an; und das gilt für Städte gleich wie auf 5000 Metern über dem Meeresspiegel im Himalaya. Zurück zu Varanasis Altstadt: Weiters in den Gassen anzutreffen sind Zweiradvehikel aller Art, Räder, Scooter, Motorräder usw.. Gehupt wird ohne Unterlass. Pilgermassen sind besonders vor Tempeln anzutreffen, Kühe versperren einem den Weg und wenn man Pech hat, bekommt man deren Schwanz ins Gesicht, also heißt es, frühzeitig ausweichen. Das Makaberste und für uns Unglaublichste ist jedoch der Totenzug, welcher einen verhüllten Leichnam auf der Bahre durch die Altstadt zum Manikarnika-Ghat trägt. Jenem Ghat, an welchem tagtäglich bis zu 200 Leichname dem Ganges übergeben werden, entweder in Form von Asche oder, im Falle von Babys, Schwangeren und Sadhus, direkt, ohne Einäscherung. Dem Glauben zufolge entkommt ein gläubiger Hindu durch die Übergabe an den Ganges dem ewigen Kreislauf des Sterbens und der Wiedergeburt. Ein wirklich unglaublicher und schwer nachzuvollziehender Ritus, wo doch einige Ghats weiter gebadet, gewaschen und die Tiere gesäubert werden, ja sogar das Wasser über Aufbereitungsanlagen wieder in die Stadt zurückgeführt wird. Wir können bei einer Verschmutzung des Ganges, welche 1000-mal über dem Grenzwert liegt, kaum an so ein Wunderwerk glauben,und es drängt sich immer wieder die Frage auf: Wieviele und wie lange noch verträgt die Natur solche Glaubensrituale? Damit sind wir also bei den Ghats, welche es zuhauf gibt, alle aneinandergereiht dem Flußlauf entlang. Sie erfüllen mehrere Zwecke: wie gesagt, zur Beerdigung, zum rituellen Baden, zum Waschen und zum Meditieren. Sie stellen wirklich beeindruckende Bauten dar, ein Spaziergang entlang der Ghats hat schon was Besonderes.. vorausgesetzt man ignoriert die Abort-Ecken, den Gestank und Sätze wie „Sir, boat?“, „Sir, postcard?“, „Sir, massage?“ usw.. Die Touristenabzocken könnten listiger kaum sein: Jemand zeigt dir z.B. ungewollt den Weg, den du sowieso eingeschlagen hättest, oder erklärt dir die Beerdigungsrituale, aber hinterher wollen sie alle dafür ein Trinkgeld. Interessant ist auch die Massagemasche: Jemand bietet dir den Handgruß an, doch sobald du sie ihm gegeben hast, geht’s schon los: „Sir, you need massage, hand, neck, head.. you look tired!“. 🙂 An den Ghats kann man also allerhand erleben, man erblickt die verschiedensten Menschen, Rituale und Zeremonien; langweilig wird einem ganz bestimmt nicht.

All das und noch Vieles mehr macht Varanasi aus, ihren Charme und das Entsetzen. Altstadt und Ghats machen einen enormen Eindruck, das Essen schmeckt sowieso lecker und.. es gibt viele nette Leute, die auch ohne Obulus helfen wollen; aber wohnen möchten wir hier nicht, wir suchen lieber das Weite. 🙂

    20 Comments

  1. … a ondere froge seppi… die beiträge send a wucht oba schreibt de olle die margit? wie gsogt olls 1a oba da burgerische schreibstil geht ma schon a bissl ob im blog… ;-)… oder werden deine berichte von da margit zensiert?? olls guate weiterhin…

    p.s. da shiva wor übrigens in da zeitung seppi… hot an preis von da stodt gregt weil er im sommer an einbrecher verfolgt und gstellt hot… haha, a frech…

    • Seas Ernesto. Zur Froge, wer die Berichte schreib, siehe insern Kommentar bei der Kathrin.
      Wos bist denn für an Schreibstil von mir gwohnt? Fahlt a bisl dr Witz, wos? 🙂
      Dr Shiva, a Held.. do werd der Zustrom af sei Ashram-Beisl woll an ordentlichen Schub kriagn noch der Aktion, und des Chicken Tikka Masala gschwind a 10er mehr kostn. Obr so wia i den kenn, kennt der kuan Streß, denn wenn’s ihm zu streng werd, sperrt’r die Kuchl zua und haut sich mit dr Wosserpfeif af die Couch. 😉

    • Hon a schu efta gfrog wer di beiträge schreib obo i moan dei hobm dou a billignaorbatskroft ongstellt u rukn deswegen mit do sproche et aussa:-)

      • Zur viel gstellten Froge, wer die Berichte schreib: Mir sogn nur, in Indien gib’s für jede Hundsorbeit an Orbeitskroft.. Hauptsoch, man zohlt an Chai. 😉 Berichte wern olle zsommen verfoßt. Uanmol schreib dr uane mehrer, uanmol dr ondere.. hinterher folgt die Zensur-Raferei. 😀

  2. ka wunder sollts haßen…

  3. Hallo an die Weltnbummla- a poor Toge net online und schun fost 3 Stationen vosaump- wenn des in dem Tempo weitamocht, sechmo ins spetigstns zi Weihnachtn wido;o)))!!! Enkra Beiträge und Fotos sein echt reiseführertauglich-Kompliment, isch a Freide zi lesn/schaugn!!!! Pa ins ischs in do Zwischnzeit richtig kolt giwordn und mir wern am Donnostog afn Weihnachtsmorkt in erstn Glühwein schlürfn und an enk denkn!!!! glGr, i druck enk

    • Kira, dickes Minus!! Am Boll bleibn bitte, denn’mr wiedr zruck sein gib’s a Prüfung. Also bitte aufpassen in dr letschtn Reihe. 😉 ..und Prost zum Glühwein, trinkt uan mit für ins, mir bleibn einstweilen bei die Erfrischungsdrinks.. wohlgemerkt ohne Eis, sunst kriag’mr die Sch*. 😉

  4. Uanfoch lai super enkre Berichte & Bilder!!! Isch jo schun foscht als war man selber dabei…
    I wort mit Sponnung auf die Kamasutra-Fotos:-)

    GLG aus der Ferne!

    Patrice

    • Hoi Patrice, für die Kamasutra-Fotos gib’s an ondern Blog.. kostenpflichtig übrigens.. brauchsch an Zuagong? ..isch obr nit jugendfrei.. 18 bosch woll, oder? 😉 Schian Gruaß!

  5. Echt interessant enkra berichte u freimi olbm zi lesn…des war sicho pärig dou ib dei saubon flutn awi zi schwim…vostei et dasas koana badefotos inetit:-) mir worn heinte sextn spatz mit 70cm noischnea…hoff do schnea fahlt enk et zivil:-)

  6. Hoila Weltnbummla,ban graun Novembowetto enkra Reiseberichte zi lesn isch a Genugtuung – kimmp man glei af ondra Gedonkn … hon iatz anfoch in müllsock ban fensto außn gschmissn, passt wo odo? Passt weitahin af enk au u freime schun afn negstn eintrog!

    • Hoi Hannes, freut ins, wenn’mr enk über die kolte Johreszeit helfen können. 😉
      Jo, guat gmocht, lei olm ausn ban Fenster mitn Dreck.. bol’s zuviel werd unschürn, donn sporsch dr die Heizkostn a. Es gilt des Mundl-Prinzip: Verboten is verboten, man derf’se nur nit dawischn lossn. 😉

  7. Hallo Margit und Seppi,

    tolla Fotos und „supo bäriga“ Berichte. Wünschn enk weitahin a tolla Reise. Lg

    • Hoi!
      Freit ins volle, dass des inson Blog olm mitvofolg. Mir wearn ins a weitahin Mühe gebn fleißig zi berichtn 🙂
      Lg Margit und Seppi

  8. Wow – zum Glück gibt es noch keine Geruchsfotos! – und sehe die heimische Kost beginnt euch zu fehlen 😉 Pizzzzaaaaa!

    • Hoi Gisela, jo sel isch do Vorteil,dass man af a pour Fotos net riecht wos man siecht 🙂 und a Pizza zwischndurch isch anfoch guit.
      Hoff dir gehts guit, denk schun oft an enk und frei mi olm wenn i fa enk epas hear.
      Lg

  9. Um nochmal auf das Müllproblem zurückzukommen: Wir haben festgestellt, daß in Indien schlicht und ergreifend die Erziehung fehlt, wie damit umgegangen werden sollte. Egal, ob Zug, Auto oder Bus, es wandert einfach alles gewissenlos beim Fenster raus.
    Besonders, wie bereits angesprochen, in den Bergen hat uns der unsachgemäße Umgang schockiert, und das, obwohl beim Eintritt in den Nationalpark auf Hinweistafeln darauf hingewiesen wird, die besuchten Plätze sauber zu hinterlassen. Offensichtlich gilt dies nur für Touristen und nicht für Einheimische. Jedenfalls gilt am Berg dieselbe Regel, wie im Tal: Wegwerfen.. und wenn’s zuviel wird, anzünden.

    • … ja wunder seppi… olle nur volksschule gemacht oder was?…

    • Ein buntes,lebendiges Treiben.Auf der einen Seite faszinierend, dann wieder erschreckend.
      Lieber gehe ich in den Beichtstuhl, als im Ganges zu baden.
      Machts gut und ganz iebe Grüße.

      • Hoi Mama,
        Jo sel isch a gscheida,weil sischt isch epas ondos außo la die Sündn, a weg 🙂
        Lg und Bussis
        Margit

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