Reiseblog

Khuri

Die Wüste lebt

Dezember 012013
Dezember 012013

Thari, so nennt sich die Wüstenlandschaft, in welcher wir uns zurzeit bewegen. Sie bedeckt die Region Rajasthan zu zwei Dritteln und gilt als die lebendigste Wüste der Welt. Auf der einen Seite die quirligen Städte, allen voran Jaipur, Jodhpur und Jaisalmer mit ihren Palästen, Forts, Havelis und Bazaren, und auf der anderen Seite das einfache und harte Leben in den Wüstendörfern inmitten von Sanddünen. Unserer Meinung nach sollte man unbedingt beide Seiten von Rajasthan gesehen haben.

Gesagt, getan, haben wir uns gleich, nach unserer Ankunft am Bahnhof in Jaisalmer, in einen Bus gesetzt, welcher uns in das 40km südwestliche Wüstendorf Khuri gebracht hat. Ein Dorf, dessen Bild zum Großteil von Lehmhütten geprägt ist und welches von all seinen Besuchern hauptsächlich aus ein und demselben Grund aufgesucht wird, nämlich um auf Kamelsafari zu gehen. An der Bushaltestelle in Khuri trafen wir auch gleich auf unseren Gastgeber, welcher sich übrigens von all seinen Konkurrenten besonders durch seine Gelassenheit und Unaufdringlichkeit hervorhob und einem beim Aussteigen aus dem Bus nicht gleich seine Visitenkarte entgegenstreckte; einer, der versteht, worauf es ankommt und wo man sich sofort wohlfühlt. Untergebracht waren wir bei ihm in einer seiner Lehmhütten – einfach genial! Angst vor Stechmücken brauchten wir keine zu haben, denn schließlich zählt ein Mosquitonetz zu unserer Reiseausrüstung, welches sich hier zum ersten Mal bewähren mußte; und wir können sagen, es hat seinen Zweck voll und ganz erfüllt. Zudem wacht Seppi, wenn es sein muss, auch die ganze Nacht, dass keines dieser Insekten sich in unser Schlafgemach verirrt und unseren Schlaf stört. 🙂

Natürlich informierten wir uns prompt bei unserem Gastgeber über die Möglichkeiten einer Kamelsafari und im Handumdrehen hatten wir unsere Tour, inklusive einer Übernachtung unter freiem Himmel in den Dünen, gebucht. Nach einer erholsamen und ruhigen Nacht in unserer Hütte, ging’s am nächsten Tag hoch zu Kamel in Richtung Sanddünen. Mit uns zog auch ein sehr sympatisches Paar (er aus Neuseeland und sie aus Dänemark), sodaß unser Team aus vier Touristen, vier Kamelen und dessen zwei Kamelhaltern bestand. Bald schon ließen wir das Dorf und einige Kinder, welche uns für ein paar Meter mit ihren „Namaste“- und „Hello“-Rufen eskortierten, im Kamelgalopp hinter uns; vor uns die einsame Wüstenlandschaft. Eine Stunde Hoppareita trauten uns die Kamelhalter vorerst zu, dann wurde im Schatten von Baumsträuchern das leckere Mittagessen genossen. Und wir müssen zugeben, so ein Kamelritt verlangt dem Hintern alles ab, daher waren wir froh über die Pause. Nach dem Essen und einem ausgedehnten Mittagsschläfchen – wir dachten, die Kamelhalter müssen erst wachgeküsst werden, bevor sie wieder zum Leben erwachen – gings für eine weitere Stunde weiter über Dünen ins nächste Dorf, wo uns aus der Ferne bereits eine ganze Kinderschar ins Visier genommen hat. „Hello, hello“ hieß es wieder.. auch einige „Money, money“ und „Chocolate“ waren darunter. Im Dorfzentrum wurden die müden Kamele zur Tränke geführt, während man uns Touristen nahelegte, den im Dorf produzierten Wüstenwein fürs Abendessen zu erwerben. Mit einer Flasche Wüstenwein in der Tasche gings dann einen Steinwurf vom Dorf entfernt Richtung Nachtquartier inmitten von Sanddünen. Sobald die Nacht über uns hereinzog, realisierten wir so langsam, was den Zauber einer Nacht in der Wüste unter freiem Himmel ausmacht: einen Sternenhimmel, den man sonst nie zu sehen bekommt. Sogar die Satelliten gaben sich als scheinbar vorbeiziehende Sterne zu erkennen… atemberaubend. Was die Feldküche hervorzauberte war wiederum erste Klasse… nur der Wüstenwein war nicht unbedingt unser Ding, welcher mit Wasser verdünnt serviert wurde und weniger wie Wein, sondern mehr wie Grappa schmeckte. Aber egal, Seppi und der Neuseeländer stießen trotzdem gern einige Male mit den Kameltreibern an. Sie konnten wohl nicht genug davon kriegen. 🙂 Sobald die erste Flasche leer war, wurde per Telefon der „Wüstenexpress“ gerufen, der prompt einen zu Fuß kommenden Lieferanten mit der zweiten Flasche entsandte. Bald darauf hieß es dann für uns Touristen „Gute Nacht“, den restlichen Wein recycleten die Kameltreiber. Die Nacht unter freiem Himmel verlief ruhig, allerdings hatten wir, ehrlich gesagt, auch schon mal besser geschlafen. Am nächsten Morgen schmerzte der Rücken sehr, aber dies war bald vergessen. Im Sonnenaufgang traten wir auf dem Rücken der Kamele den Rückweg an. Unter heftigem Rütteln und Schütteln und begleitet von den unterschiedlichsten Lauten unserer Wüstenschiffe, erreichten wir erneut Khuri, von wo aus wir mit dem Bus nach Jaisalmer fuhren. Von der Stille, Einsamkeit und Entspanntheit der Wüste, ging es zurück in das chaotische Stadtleben, wo uns anstelle der Kamele die Kühe und streunenden Hunde begrüßten.

    2 Comments

  1. Hallo Ihr Zwei,
    tolle Bilder und wieder einmal ein super schöner Bericht.Weiterhin viel Spaß und Alles Gute

    Liebe Grüße

  2. Hallo ihr zwei Weltenbummler,
    Wir verfolgen mit Spannung eure Reiseberichte.
    Ich muss sagen, man bekommt schon auch Lust auf so ein Abenteuer.
    Auch wenn so manche Situationen fast schon ein wenig erschreckend auf uns wirken, beneide ich euch schon ein bisschen für diese tolle Erfahrung.
    Durch die Berichte fühlt man sich ja eh a bissl mit auf Reisen, danke dafür!
    Übrigens, sehr schön geschrieben… .
    Schöne Zeit und bis bald,
    Tommy und Sabine

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